Heroes - Die Serie

Heldeninfo


Heroes
OT: Heroes
USA, 2006 bis 2008

Amazon


.: Staffel 1.1 DVD-Box
.: Staffel 1.2 DVD-Box
.: Heroes - Der Comic zur TV-Serie, Bd. 1

Freaks & Geeks


„Heroes” und der moderne Superheld –
Eine kurze Serieneinführung


Ach, was waren das noch für Zeiten, als Superhelden ihren festen Platz, ihre traditionellen und bewährten Routinen in der Geschichte des Genres hatten! Als Clark Kent noch der aufrechte Kämpfer in blau-roter Unterwäsche war – und nicht der zwischen spätpubertärem Liebeskummer und Selbstzweifeln gefangene Farmersjunge aus „Smallville“. Als sich Bruce (David) Banner noch mit relativer Leichtigkeit an seine regelmäßigen Transformationen zum „unglaublichen Hulk“ gewöhnte und nicht ganze TV-Serienstaffeln damit zubrachte, vor sich und der eigenen Identität wegzulaufen. Superhelden waren Über-Menschen, strahlende Fixsterne in einer Gesellschaft der Gleichheit, die mit ihrem Beispiel und ihrer Makellosigkeit erst zu dem wurden, als was ihr soziales Umfeld aus all den Lois Lanes und Jimmy Olsens sie nur zu gerne definierte: zu Helden.

Doch in der Neuzeit sind ungebrochene Charaktere weitaus weniger attraktiv. Selbstzweifel und kritische Reflektionen, generelle Strömungen des Zeitgeistes und somit auch des Fernsehpublikums, sind an der Tagesordnung und machen auch vor fiktiven Gestalten und Geschichten längst keinen Halt mehr. Der Held der Gegenwart ist kein rechtschaffener Superman mehr, sondern ein eher unfreiwillig agierender Peter Parker, der sein Spider-Man-Kostüm am liebsten zu den Akten und sich selbst in Folge endlich, endlich mal neben die wunderschöne Nachbarstochter Mary Jane Watson legen würde. Und doch, er kann es nicht. Er ist ein Held, und Helden sterben (und leben) nun einmal einsam. Beziehungsweise meist in der Gesellschaft von größenwahnsinnigen Oberschurken, nicht im Kreise ihrer Lieben aus dem ohnehin kaum vorhandenen Privatleben.

Holding out for a Hiro
Richard Timothy Kring weiß das. Der Schöpfer von „Crossing Jordan“ und der NBC-Hitserie „Heroes“ hatte seine Hausaufgaben gemacht, als er 2005 mit der Pre-Production der letztgenannten Serie begann. Kring hatte ganz offensichtlich die „Spider-Man“- und „X-Men“-Filme gesehen, hatte Allan Moores schlichtweg geniales Meisterwerk „Watchmen“ gelesen (und in Ansätzen für seine eigenen Zwecke paraphrasiert) und wusste, wo der Ansatzpunkt für eine aktuell relevante Superheldengeschichte zu finden war: in der Verletzlichkeit ihrer Charaktere. Kring umgab sich mit Autoren wie Jeph Loeb und Bryan Fuller, welche die Ängste und das Leid derartig ausgearbeiteter unfreiwilliger Helden-Figuren verstanden. Er engagierte Regietalente wie John Badham und Allan Arkush und schrieb eine Serienprämisse, die ab 2006 zu einer der momentan erfolgreichsten TV-Produktionen auf dem amerikanischen Markt wurde. „Heroes“ zeigt keine strahlenden Helden, sondern ganz normale Menschen. Genau darin liegt ihr Erfolg begründet.

Wir alle können uns in Hiro Nakamura hineinfühlen, wenn er voller Begeisterung seine neu entdeckten Talente ausprobiert. Und wir verstehen Claire Bennet, die ihre scheinbare Unsterblichkeit am liebsten unter den Teppich kehren und ein ganz normales Leben führen möchte. Wir kaufen Nathan Petrelli seine Angst vor der Enttarnung als Supermensch ab – wie würde wohl unser eigener Nachbar reagieren, wenn wir plötzlich fliegen könnten?

Nein, die Helden aus „Heroes“ haben mehr als genug mit sich selbst zu tun. Sie brauchen keinen Oberschurken wie Lex Luthor, keinen Joker, der ihnen das Leben schwer macht. Und dennoch reagieren sie, wenn die Welt sie braucht. Sie nehmen die Mission, die ihnen aus Isaac Mendez’ artistischen Visionen übertragen wird, an – und wachsen in Folge über sich hinaus. Sie starten vielleicht als widerwillige Peter Parkers, als verwirrte Clark Kents und als grüblerisch-depressive Bruce Waynes, doch entwickeln sie sich durch ihre Aufgaben schon im Laufe der ersten Staffel zu Supermen. Zu Heroes. Und das alles ganz ohne Cape, Maske und Tarnidentität. Oder könnte man sich Matt Parkman etwa in blauen Strumpfhosen und einem Matt-Mobil vorstellen? Besser nicht.

Das American Film Institute hat „Heroes“ im Dezember 2006 zu einer der besten TV-Produktionen des Jahres erklärt – und drückte aus, was Millionen Fans ohnehin schon wussten. Tim Kring, der die Serie mit seiner eigenen Produktionsfirma „Tailwind Productions“ und in Zusammenarbeit mit NBC Universal Television betreut und leitet, hat einen Seriendauerbrenner geschaffen, der da ansetzt, wo Filme wie „Spider-Man“ aufhörten und uns Zuschauern zeigt, dass wahre Heldenhaftigkeit oft genug im ganz Normalen, Alltäglichen verankert liegt und es auch bleibt, komme was da wolle. Die „Heroes“ stammen nicht von Krypton. Sie haben kein Milliardenerbe im Rücken und auch kein Faible für Spandex und Velours. Sie sind – nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Andersartigkeit – Menschen wie wir. Wir sind Helden.

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